HbA1c-Werte: Langzeitzucker richtig verstehen (mit Tabelle)
Annika BergerRedaktionell erstellt
Spezialistin für Nahrungsergänzungsmittel, keine Ärztin
Veröffentlicht Stand: 9 Min. Lesezeit

Der HbA1c ist der Wert, der nicht schwankt wie der Zucker nach dem Frühstück: Er zeigt, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen Wochen im Durchschnitt lag. Deshalb heißt er Langzeitzucker, und deshalb lässt er sich weder durch eine Nacht ohne Essen noch durch einen Spaziergang vor der Blutabnahme verbessern. Der Beitrag erklärt Normwerte und Grenzwerte in Prozent und mmol/mol, rechnet den Wert in einen Durchschnittszucker um und zeigt, wann der HbA1c täuscht.
Auf einen Blick
- Der HbA1c gibt an, welcher Anteil des Blutfarbstoffs mit Zucker beladen ist, und spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen wider.
- Ab 6,5 % (48 mmol/mol) spricht der Wert für Diabetes, 5,7 bis 6,4 % (39 bis 47 mmol/mol) sind der Graubereich; ein Wert unter 6,5 % schließt Diabetes nicht aus.
- Ein HbA1c von 7,0 % entspricht rechnerisch einem Durchschnitt von etwa 154 mg/dl (8,6 mmol/l), bei einzelnen Menschen kann der tatsächliche Durchschnitt deutlich abweichen.
- Blutarmut, Hämoglobinvarianten, Schwangerschaft, Blutverlust und schwere Nierenerkrankungen können den Wert verfälschen.
- Bei Diabetes legt die Praxis einen individuellen Zielbereich fest; die Leitlinie nennt dafür einen Rahmen von 6,5 bis 8,5 %.
Was misst der HbA1c? Langzeitzucker in einfachen Worten
Zucker bleibt im Blut an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin hängen, ganz ohne Zutun von Enzymen: Je höher der Zucker, desto mehr Hämoglobin ist „verzuckert“. Der HbA1c gibt diesen Anteil an; bei einem Wert von 6,5 % sind vereinfacht gesagt 6,5 Prozent des Hämoglobins verzuckert. Weil rote Blutkörperchen rund 120 Tage leben, bildet er nach DDG und Nationaler VersorgungsLeitlinie die mittlere Plasmaglukose der letzten 8 bis 12 Wochen ab.
Das hat praktische Folgen. Der Wert ändert sich langsam, und ein Ergebnis zwei Tage nach einer strengen Diät oder einem Festessen sagt über den Verlauf wenig aus. Wer etwas ändert, sieht die Wirkung im HbA1c deshalb erst nach Wochen, in der Praxis meist beim nächsten Termin nach etwa drei Monaten. Dafür braucht die Blutabnahme keine Essenspause: Nach der DDG ist der HbA1c unabhängig von Tageszeit und Nüchternzustand, schwankt von Tag zu Tag wenig und verändert sich in der Probe nach der Abnahme nicht mehr, die Probe bleibt also stabil.
HbA1c Normwerte und Grenzwerte: Was die Zahlen bedeuten
Für die Diagnose gelten in Deutschland die Grenzen der DDG. Ein HbA1c unter 5,7 % (39 mmol/mol) ist unauffällig, 5,7 bis 6,4 % (39 bis 47 mmol/mol) bilden den Graubereich, den die Fachliteratur zunehmend als Prädiabetes einordnet, und ab 6,5 % (48 mmol/mol) spricht der Wert für einen Diabetes. Ein einzelner Wert genügt dafür nicht, die DDG verlangt, dass zwei der möglichen Messungen auffallen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Ein HbA1c unter 6,5 % schließt Diabetes nicht aus: Bei mehr als einem Drittel der Menschen mit einem diabetischen 2-Stunden-Wert im Zuckerbelastungstest lag der HbA1c darunter, berichtet die DDG-Praxisempfehlung. Umgekehrt empfiehlt sie nicht generell, einen einzelnen HbA1c als Beleg dafür zu nehmen, dass kein Diabetes besteht. Nach Einschätzung von DDG und Deutscher Gesellschaft für Innere Medizin braucht es zum Ausschluss mindestens zwei Laborparameter im Normbereich, empfohlen werden Nüchternzucker und HbA1c. Die Grenzen für Nüchtern- und Belastungswerte stehen im Beitrag Blutzucker-Werte.
Von Prozent zu mmol/mol und mg/dl: Umrechnung und Durchschnittszucker
Labore nennen den HbA1c in zwei Einheiten. Die Prozentangabe stammt aus der amerikanischen Studie DCCT, die Angabe in mmol/mol aus dem internationalen Referenzsystem der IFCC, das den Anteil als Stoffmenge je Mol Hämoglobin ausdrückt. Zum Umrechnen zieht man 2,15 vom Prozentwert ab und multipliziert das Ergebnis mit 10,929.
Wie ein Prozentwert zum Durchschnittszucker passt, untersuchte die ADAG-Studie 2008. 507 Menschen mit und ohne Diabetes ließen drei Monate lang ihren Zucker messen, rund 2.700 Werte je Person. Daraus ergab sich die Gleichung: durchschnittlicher Zucker in mg/dl gleich 28,7 mal HbA1c in Prozent minus 46,7. Der damit berechnete „eAG“ (estimated average glucose) steht in der Tabelle.
| HbA1c in % | HbA1c in mmol/mol | Durchschnittszucker in mg/dl | Durchschnittszucker in mmol/l |
|---|---|---|---|
| 5,0 | 31 | 97 | 5,4 |
| 5,5 | 37 | 111 | 6,2 |
| 5,7 | 39 | 117 | 6,5 |
| 6,0 | 42 | 126 | 7,0 |
| 6,5 | 48 | 140 | 7,8 |
| 7,0 | 53 | 154 | 8,6 |
| 7,5 | 58 | 169 | 9,4 |
| 8,0 | 64 | 183 | 10,2 |
| 9,0 | 75 | 212 | 11,8 |
| 10,0 | 86 | 240 | 13,3 |
Die Tabelle zeigt Mittelwerte. Die Gleichung erklärt 84 Prozent der Streuung (R² von 0,84), bei einzelnen Menschen kann der tatsächliche Durchschnitt deutlich abweichen. Außerdem verrät der HbA1c nichts über Schwankungen: Zwei Menschen mit demselben Wert können unterschiedlich viele Spitzen und Unterzuckerungen haben. Wer einen Sensor zur kontinuierlichen Messung trägt, sieht deshalb zusätzlich, wie viel Prozent der Zeit sich der Zucker im Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dl hält, der „Time in Range“ (diabinfo).
HbA1c Werte nach Alter: Referenzbereich und Zielwerte
Auch der HbA1c lässt sich nicht für alle Altersgruppen gleich lesen. Bei Menschen ohne Diabetes steigt er mit den Jahren an, nach der DDG kann der Unterschied zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen 4 bis 8 mmol/mol (0,4 bis 0,7 Prozentpunkte) betragen. Die Leitlinie nennt für Menschen ab 60 Jahren je nach Erhebung einen Referenzbereich von 5,0 bis 6,4 % oder 4,4 bis 6,6 %; die Tabelle dazu steht im Beitrag zu den Blutzucker-Werten. Für Ergebnisse knapp oberhalb der Diagnosegrenze, bis 7,0 %, heißt das: Bei Älteren ist ihre Aussagekraft für die Bestätigung einer Diagnose eingeschränkt.
Davon zu trennen ist der Zielwert bei Diabetes. Die Leitlinie verlangt, dass Praxis und Betroffene individuelle Therapieziele vereinbaren, und nennt als Korridor 48 bis 69 mmol/mol, das entspricht 6,5 bis 8,5 %. Näher an 6,5 % liegt das Ziel bei hoher Lebenserwartung, ohne Begleiterkrankungen und mit wenigen Medikamenten, bei geringem Unterzuckerungsrisiko und geringer Belastung durch die Therapie. Näher an 8,5 % liegt es im umgekehrten Fall. Hinzu kommen Unterstützung im Alltag, körperliche und geistige Fähigkeiten und die Dauer der Erkrankung. Strenger ist also nicht automatisch besser: Wer bestimmte Medikamente nimmt, riskiert bei einem zu niedrigen Ziel gefährliche Unterzuckerungen. Eine Zahl für alle gibt es nicht.
Wann der HbA1c täuscht: Blutarmut, Hämoglobinvarianten, Schwangerschaft
Weil der HbA1c ein Anteil des Hämoglobins ist, hängt er auch davon ab, wie lange rote Blutkörperchen leben. Lebt ein Blutkörperchen länger als üblich, sammelt es mehr Zucker an, der Wert fällt zu hoch aus. Werden Blutkörperchen schneller erneuert, ist er zu niedrig. Die DDG und die Leitlinie führen dafür eine Reihe von Auslösern auf:
| Einflussfaktor | Mögliche Wirkung auf den HbA1c |
|---|---|
| Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel mit Blutarmut | Wert kann zu hoch ausfallen |
| Hämolytische Anämie, Blutverlust, Bluttransfusion | Wert kann zu niedrig ausfallen |
| Schwere Nieren- oder Lebererkrankung | meist zu niedrig, die Messung wird ungenauer |
| Hämoglobinvarianten (zum Beispiel HbS, HbC) und Thalassämien | je nach Variante und Messmethode zu hoch oder zu niedrig |
| Schwangerschaft, Leistungssport, große Höhen | Wert kann zu niedrig ausfallen |
| Höheres Alter | steigt auch ohne Diabetes leicht an |
Wird ein Eisenmangel behandelt, kann der Wert dabei sinken, ohne dass sich der Zucker verändert hat. Menschen mit zwei gleichen Hämoglobinvarianten (etwa HbSS) haben nach der Leitlinie kein HbA1c, das sich messen ließe. Um solche Einflüsse zu erkennen, sollte ein aktueller Hämoglobinwert aus dem Blutbild vorliegen, vor allem wenn der HbA1c zur Diagnose dient.
Zur Diagnose ungeeignet ist der Wert außerdem bei Neugeborenen, in der Schwangerschaft und bis etwa zwei Monate danach, nach Bluttransfusionen, Blutspenden oder größeren Blutungen, bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und bei kurzzeitiger Einnahme von Glukokortikoiden oder Psychopharmaka, die den Zucker erhöhen. In diesen Fällen stützt sich die Praxis auf Glukosewerte oder einen Zuckerbelastungstest.
HbA1c senken: Was Lebensstil und Therapie in der Praxis ausmachen
Wer wissen möchte, wie sich der HbA1c senken lässt, bekommt keine Abkürzung als Antwort. Der Wert folgt dem Zucker der vergangenen Wochen, deshalb zählt, was dauerhaft geschieht. Die Nationale VersorgungsLeitlinie nennt Ernährungsumstellung und mehr körperliche Aktivität die Grundlage der Therapie des Typ-2-Diabetes und empfiehlt Menschen mit Werten im Graubereich ausdrücklich lebensstilverändernde Maßnahmen; wie Gewicht und Bewegung wirken, beschreibt der Beitrag Insulinresistenz. Welche Medikamente zusätzlich nötig sind, entscheidet die Praxis nach Zielwert, Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und Unterzuckerungsrisiko. Dosierungen nennen wir nicht, und niemand sollte Medikamente auf eigene Faust anpassen.
Nahrungsergänzungsmittel gehören nicht zu den Wegen, die den HbA1c nachweislich senken. Für Zimt fand die Cochrane-Übersicht von 2012 in zehn Studien mit 577 Teilnehmenden keinen statistisch bedeutsamen Unterschied beim HbA1c gegenüber der Vergleichsgruppe. Für Chrom gibt es zwar eine EU-Angabe zum normalen Blutzuckerspiegel, über den HbA1c sagt sie nichts; Kapseln mit Chrom wie Glucortex stellt ein eigener Bericht vor. Kapseln sind Lebensmittel und kein Ersatz für Therapie oder Kontrolle; wer eine einnehmen möchte, fragt vorher die Praxis. Einen Überblick über Hausmittel und Präparate gibt der Ratgeber zum natürlichen Senken des Blutzuckers.
Wann zum Arzt?
Ein HbA1c ab 6,5 Prozent oder ein Wert im Graubereich gehört in die Praxis, die ihn einordnet und bei Bedarf eine zweite Messung oder einen Zuckerbelastungstest veranlasst. Bei bekannter Blutarmut, Hämoglobinvarianten, Schwangerschaft oder Nierenerkrankung sagen Sie das vor der Messung dazu. Wer Diabetes hat, legt seinen Zielwert gemeinsam mit der Praxis fest und ändert die Therapie nie allein.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem HbA1c-Wert spricht man von Diabetes?
Der Grenzwert liegt bei 6,5 Prozent oder 48 mmol/mol. Gestellt wird die Diagnose damit noch nicht: Nach DDG und Leitlinie müssen zwei Messungen auffallen, etwa HbA1c und Nüchternzucker, oder der Wert wird zeitnah wiederholt. Ein HbA1c unter 6,5 Prozent schließt Diabetes umgekehrt nicht aus, wenn zum Beispiel der Zuckerbelastungstest auffällig ist. Bei Beschwerden wie starkem Durst entscheidet die Praxis, ob weitere Messungen nötig sind.
Muss ich für den HbA1c nüchtern sein?
Nein. Beim HbA1c spielen Uhrzeit und letzte Mahlzeit keine Rolle, anders als beim Nüchternzucker. Wird beides am selben Termin bestimmt, was die DDG ausdrücklich als sinnvolle Kombination beschreibt, sollten Sie trotzdem nüchtern kommen, damit der Zuckerwert aussagekräftig ist. Fragen Sie in der Praxis nach, wie sie die Blutabnahme plant.
Kann ein Eisenmangel den HbA1c verfälschen?
Ja. Eine Blutarmut durch Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel verlängert die Lebensdauer der roten Blutkörperchen, und der HbA1c kann dadurch zu hoch ausfallen. Während der Behandlung des Mangels kann er wieder sinken, auch wenn sich der Zucker nicht verändert hat. Die DDG empfiehlt deshalb, bei der Diagnose einen aktuellen Hämoglobinwert aus dem Blutbild heranzuziehen. Wer weiß, dass er einen Mangel hat, sagt das vor der Blutabnahme dazu.
Wie oft sollte der HbA1c kontrolliert werden?
Das hängt vom Befund. Wer Werte im Graubereich hat, bekommt nach der Empfehlung von DDG und Deutscher Gesellschaft für Innere Medizin zuerst nach etwa drei Monaten eine Kontrolle und danach halbjährlich. Die hausärztliche Fachgesellschaft DEGAM und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sehen bei Nüchternwerten ohne Diabetesbefund keinen weiteren Wert vor und kontrollieren erst beim nächsten Check-up in drei Jahren. Bei bekanntem Diabetes bestimmen Therapie und Zielwert die Abstände, die Ihre Praxis mit Ihnen vereinbart.
Was ist ein guter HbA1c-Wert bei Diabetes?
Das hängt von der Person ab. Die Nationale VersorgungsLeitlinie verlangt, den Zielwert individuell zu vereinbaren, und steckt dafür einen Korridor von 6,5 bis 8,5 Prozent ab, nach Lebenserwartung, Begleiterkrankungen, Medikamenten, Unterzuckerungsrisiko und Belastung durch die Behandlung. Bei jüngeren Menschen ohne Begleiterkrankungen liegt das Ziel eher am unteren Ende, bei älteren mit mehreren Erkrankungen eher am oberen. Welche Zahl für Sie gilt, besprechen Sie mit Ihrer Praxis.